Sicherheitsventil am Flüssiggastank: Funktion, Austausch, Ablauf und Kosten

Weißer Flüssiggastank vor Mehrfamilienhaus

Steigt der Druck in Flüssiggastanks an, drohen Behälter, Leitungen oder angeschlossene Armaturen zu bersten. Während damit eine große Gefahr für umliegende Anlagen oder Personen in der Nähe einhergeht, kann sich ausgetretenes Gas entzünden und verheerende Brände verursachen. Damit das in der Praxis nicht passiert, ist ein Sicherheitsventil am Flüssiggastank Pflicht. Das Ventil öffnet bei bestimmten Druckwerten automatisch, um Gas abzulassen, den Druck zu reduzieren und Gefahren abzuwenden. Flüssiggas1.de erklärt, wie das Ventil funktioniert und warum ein defektes Sicherheitsventil nicht immer ohne Weiteres austauschbar ist.

✅ Aktualisiert am 28.06.2021

Die Themen im Überblick

Aufbau und Funktion der Sicherheitsventile für Gastanks

Wie einleitend beschrieben, schützt das Sicherheitsventil den Flüssiggastank vor zu hohen Druckwerten. Damit das funktioniert, besteht es einfach beschrieben aus einer Feder, die einen Schließkegel in Richtung Tank drückt. Steigt der Druck stark an, wirkt die Kraft aus dem Tankinneren der Federkraft entgegen. Der Schließkegel hebt sich und Gas kann ausströmen. Sinkt der Innendruck, wird die Kraft aus dem Tank geringer und die Feder schließt das Ventil wieder vollständig. Bei einem funktionstüchtigen Bauteil strömt nun kein Flüssiggas mehr aus dem Tank.

Verschiedene Ventilarten sind am Markt erhältlich

Geht es um den Aufbau, unterscheiden Experten innenliegende und außenliegende Sicherheitsventile für Flüssiggastanks. Erstere sind komplett in die Tankhülle eingeschraubt. Sie lassen sich unter Betriebsdruck prüfen, erfordern für den Austausch allerdings einen komplett drucklosen beziehungsweise leeren Tank.

Außenliegende Austauschventile sind fest mit einem Schließventil verschraubt, welches selbst im Tank sitzt. Entfernen Experten das Sicherheitsventil aus dem Flüssiggastank, geht das Schließventil zu, wodurch ein Austausch auch am befüllten Tank möglich ist.

Die folgende Grafik zeigt den Unterschied zwischen Sicherheits- und Austausch-Sicherheitsventil für Flüssiggastanks.

Regelmäßige Prüfung der Sicherheitsventile ist Pflicht

Im Normalfall ist das Sicherheitsventil am Flüssiggastank geschlossen und funktionslos. Damit es im Ernstfall dennoch seinen Zweck erfüllt, ist es im Rahmen der inneren Tankprüfung einer Funktionskontrolle zu unterziehen. Die Prüfung findet alle zehn Jahre statt und soll sicherstellen, dass das Ventil bei dem vorgesehenen Öffnungsdruck auslöst und anschließend wieder dicht schließt.

Anlüftverfahren zur Funktionskontrolle der Ventile

Möglich ist die Funktionsprüfung durch das sogenannte Anlüftverfahren mit einer speziellen Prüfeinrichtung. Diese besteht aus einem Gasflaschenanschluss, einem Druckminderer sowie einem Messkolben und ist für die Kontrolle an eine Stickstoffflasche anzuschließen. Befestigen Prüfer den Messkolben nach Herstellervorgaben außen auf dem Sicherheitsventil am Flüssiggastank und lassen Gas aus der Gasflasche einströmen, steigt der Messdruck so lange an, bis sich das Ventil öffnet, was in aller Regel bei 15,6 bar der Fall sein sollte. Der tatsächliche Auslöse- oder Öffnungsdruck ergibt sich über folgende Gleichung:

  • Auslöse-/Öffnungsdruck Sicherheitsventil = Druck im Flüssiggastank + (Druck im Messkolben x Korrekturfaktor)

Der Korrekturfaktor ist dabei einer Tabelle zu entnehmen, die dem Mess-Set in aller Regel beiliegt.

Diese Punkte sind bei der Prüfung zu beachten

Die Prüfung darf grundsätzlich nur ein erfahrener Prüfer durchführen. Da sich das Ventil beim ersten Versuch meist spät, dafür aber weit öffnet, kann etwas Flüssiggas austreten. Um Gefahren zu vermeiden, ist dabei darauf zu achten, dass die Öffnung frei liegt und im Umkreis von fünf Metern keine Zündquellen sind. Nach der Prüfung kann es passieren, dass das Sicherheitsventil am Flüssiggastank nicht richtig schließt. Ist das der Fall, wiederholen Experten den Test in der Regel ein weiteres Mal.

Bei undichtem Sicherheitsventil richtig Verhalten

Schließt das Ventil auch nach mehrmaliger Prüfung nicht und Flüssiggas strömt aus, messen Experten zunächst die Gaskonzentration in unmittelbarer Nähe zum Tank. Solange diese unter der Explosionsgrenze liegt, richten sie einen Sicherheitsradius ein und gewährleisten, dass in diesem keine Zündquellen vorhanden sind. Sie sperren das Sicherheitsventil wenn möglich ab, informieren den Kunden und alarmieren den Sicherheitsdienst des DVFG. Die Experten kümmern sich dann bei Bedarf um die Entleerung des Gastanks und den Austausch des Sicherheitsventils.

Liegt die Flüssiggaskonzentration über der unteren Explosionsgrenze, besteht ernsthafte Gefahr. Prüfer vergrößern daher in solchen Fällen den Sicherheitsradius. Sie warnen Personen im Umfeld und alarmieren Feuerwehr sowie Polizei.

Sicherheitsventil am Flüssiggastank austauschen: Der Ablauf

Ist das Ventil undicht, die Gefahr jedoch gering, bekommen Betreiber in der Regel die Auflage, das Ventil schnellstmöglich austauschen zu lassen. Bei Austauschventilen für Flüssiggastanks ist das sehr einfach, da sich das Schließventil beim Herausschrauben des Sicherheitsventils direkt verschließt. Anders bei komplett innen liegenden Ventilen: Diese lassen sich nur bei entleertem Tank ersetzen.

Schritt 1:Tank entleeren (bei innenliegenden Sicherheitsventilen)

Ist ein Austausch des Sicherheitsventils am Flüssiggastank erforderlich, müssen Betreiber im ersten Schritt den Tank absaugen lassen. Wer einen Gastank gemietet hat, Zählerkunde oder zumindest Stammkunde bei einem Flüssiggasanbieter ist, hat hierbei in der Regel keine größeren Probleme. Für alle anderen Betreiber kann die Aufgabe allerdings zu einer größeren Herausforderung werden. Und das gleich aus mehreren Gründen. Denn:

  • viele Tankwagen können Flüssiggas zwar in den Tank füllen, dieses aber nicht absaugen. Es ist also erst einmal ein geeigneter Anbieter zu finden.
  • Flüssiggasanbieter saugen selten fremdes Gas in die eigenen Wagen. Denn die Zusammensetzung ist nicht bekannt und der Feuchtegehalt kann recht hoch sein.

Schritt 2: Altes Ventil aus der Öffnung herausschraube

Ist der Tank leer oder ein Austauschventil verbaut, entfernen Experten im nächsten Schritt die alten Ventile. Sie reinigen das Gewinde und stellen sicher, dass keine Verschmutzungen oder Fettreste vorhanden sind.

Schritt 3: Sicherheitsventil am Flüssiggastank einschrauben

Im nächsten Schritt prüfen Fachhandwerker das neue Sicherheitsventil für den Flüssiggastank auf Transportschäden. Sie bringen Dichtmittel am Gewinde an und schrauben das Ventil erst einmal per Hand ein. Anschließend verwenden sie einen Gabelschlüssel, um das Sicherheitsventil festzuziehen. Einfach und sicher funktioniert das mit einem Drehmomentschlüssel (Anzug rund 140 Nm).

Wichtig zu wissen: Um das Ventil nicht zu beschädigen, ist der Einsatz von Rohrzangen nicht erlaubt!

Schritt 4:Dichtheitskontrolle mit Leckage-Suchspray

Bevor sich der Flüssiggasbehälter wieder in Betrieb nehmen lässt, muss eine Dichtheitskontrolle erfolgen. Dazu schließen Fachhandwerker alle Armaturen zu den angeschlossenen Verbrauchsgeräten. Sie verwenden Leckage-Suchspray und lassen den Druck im Behälter langsam ansteigen. Tritt an keiner Stelle Flüssiggas aus, gilt die Dichtheitsprüfung als bestanden und die Anlage lässt sich in Betrieb nehmen.

Wichtig zu wissen: Die Dichtheitskontrolle mit offenen Flammen beim Befüllen des Gastanks ist nicht erlaubt!

Kosten für Material und Montage des Ventils

Ist das Sicherheitsventil am Flüssiggastank auszutauschen, fallen Kosten für Material, Montage, Entleerung und Wiederbefüllung an. Während die Materialkosten mit 50 bis 100 Euro vergleichsweise gering sind, kann die Montage hohe Ausgaben verursachen. Der Fall ist das immer dann, wenn Experten den Tank zunächst abpumpen und später neu befüllen müssen. Eine zuverlässige Aussage verspricht hier nur das individuelle Angebot einer zugelassenen Fachfirma.

Häufig gestellte Fragen

Welche Aufgabe hat das Sicherheitsventil am Flüssiggastank?

Das Ventil schützt den Gastank und die angeschlossenen Armaturen vor zu hohen Drücken. Steigt der Innendruck über einen voreingestellten Wert (häufig 15,6 bar) an, öffnet sich das Ventil. Es lässt etwas Flüssiggas entweichen und sorgt so für die nötige Entspannung. Liegt der Druck wieder unter dem Öffnungsdruck, schließt sich das Ventil von selbst und die Anlage funktioniert wie gewohnt.

Gibt es unterschiedliche Bauarten der Ventile zum Schutz vor hohen Drücken?

Ja. Zu unterscheiden sind unter anderem innenliegende und außenliegende Sicherheitsventile. Erstere befinden sich direkt im Gastank, lassen sich aber nur im entleerten Zustand austauschen. Außenliegende Ventile stecken häufig in einem Schließventil, welches den Gasaustritt unterbindet, wenn das Sicherheitsventil nicht eingeschraubt ist.

Wann muss ich das Sicherheitsventil am Flüssiggastank austauschen?

Alle 10 Jahre führen Experten eine innere Prüfung am Flüssiggastank durch, bei der sie auch das Sicherheitsventil kontrollieren. Öffnet dieses nicht rechtzeitig oder schließt es nicht mehr dicht, folgt zwangsläufig ein Austausch, um Gefahren bestmöglich abwenden zu können.

Wie erfolgt der Austausch des Ventils und welche Herausforderungen gibt es?

Eigentlich drehen Experten das alte Ventil nur aus dem Tank, bevor sie das neue fachgerecht wieder einbauen. Während das bei Austauschventilen ähnlich einfach funktioniert, ist bei innenliegenden Sicherheitsventilen zunächst der Flüssiggastank abzupumpen. Wer den Tank nicht gemietet hat, kein Zählerkunde ist oder sehr oft den Lieferanten wechselt, findet dabei oft nur schwer ein passendes Unternehmen. Denn viele Lieferwagen können nicht abpumpen. Außerdem laden Unternehmen ungern fremdes Gas in die eigenen Tankwagen, da sie dessen Zusammensetzung und Zustand nicht kennen.

top