Klimaschutzpaket 2019: Was ändert sich für Sanierer?

Klimaschutzpaket 2019 zur Senkung der CO2-Emissionen in Deutschland

Mit dem Klimaschutzpaket 2019 (auch Klimaschutzprogramm für 2030) hat die Bundesregierung Maßnahmen definiert, die zu einer deutlichen Senkung des CO2-Ausstoßes beitragen sollen. Neben den Bereichen Verkehr, Industrie, Land-, Energie- und Abfallwirtschaft treffen diese auch den Gebäudesektor. Denn der ist heute für rund 14 Prozent der jährlichen CO2-Emissionen verantwortlich. Hausbesitzer müssen sich dabei auf höhere Kosten und ein Verbot der Ölheizung einstellen. Wer Haus oder Heizung sanieren lässt, profitiert allerdings von besseren Förderkonditionen. Flüssiggas1.de fasst die wichtigsten Punkte aus dem Klimaschutzprogramm 2030 zusammen.

Die Themen im Überblick

Warum ist das Klimaschutzpaket 2019 erforderlich?

Bis zum Jahr 2050 muss unser CO2-Ausstoß gegenüber 1990 um 80 bis 95 Prozent sinken. Nur wenn das gelingt, lässt sich die globale Erwärmung auf etwa zwei Grad Celsius begrenzen und die Folgen des Klimawandels bleiben in einem erträglichen Maß. Da sich dieses Ziel mit den verfügbaren politischen Instrumenten nicht erreichen lässt, hat das Klimakabinett der Bundesregierung einen besonderen Maßnahmenplan aufgestellt: Das Klimaschutzpaket 2019, mit dem sich das mit der EU vereinbarte CO2-Zwischenziel bis 2030 erreichen lassen soll. Dieses besagt, dass der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 sinken soll. Verfehlt Deutschland diesen Wert, muss es Emissionsrechte von Ländern erwerben, die ihre Vorgaben übererfüllen. So sehen es die Regularien der EU vor.

Klimaschutzprogramm für 2030 setzt auf drei Punkte

Um die Klimaziele zu erreichen, setzt die Bundesregierung mit dem Klimaschutzplan 2019 auf einen Maßnahmenmix, der Bürger zunächst attraktive Anreize schaffen soll, ihren CO2-Ausstoß zu senken. Neben einem CO2-Preis, der alle Kraft- und Brennstoffe verteuert, gibt es in Zukunft höhere Fördermittel und letztlich sogar Verbote für veraltete und ineffiziente Technik.

Experten meinen: Wirkung des Klimapakets ist zu gering

Forscher und Verbände sind sich einig: Die Maßnahmen aus dem Klimaschutzplan 2030 reichen nicht aus, um die hohen Ziele noch zu erreichen. Dennoch handelt es sich bei dem Paket um einen sehr umfassenden Maßnahmenkatalog, der alle für den Energieverbrauch relevanten Bereiche betrifft. Im Fokus steht dabei der Gebäudesektor, der allein rund 14 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortet.

Klimaschutzprogramm für 2030: Was ändert sich für Hausbesitzer?

Eine wesentliche Neuerung, die das Klimaschutzpaket 2019 einführt, ist die Bepreisung des CO2-Ausstoßes. Sie macht Kraft- sowie Brennstoffe teurer und soll die Kosten an den tatsächlichen Kohlenstoffdioxidgehalt der Energieträger angleichen. Während der Preis im Einführungsjahr 2021 mit 10 Euro pro Tonne CO2 vergleichsweise niedrig ist, steigt er bis 2025 Schritt für Schritt auf 35 Euro pro Tonne CO2 an. Danach entscheiden die aktuellen Entwicklungen darüber, wie sich der CO2-Preis verändert. Vorgesehen ist ein Spielraum von 35 und 60 Euro pro Tonne. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die CO2-Preise auf die Heizkosten auswirken. Dabei erkennt man – der Umstieg auf Erdgas lohnt sich!

 

Klimaschutzpaket 2019: CO2-Preis je Tonne Mehrkosten zum Heizen mit Erdgas (ca. 250 gCO2/kWh; 20.000 kWh/a) Mehrkosten zum Heizen mit Heizöl (ca. 317 gCO2/kWh; 20.000 kWh/a) Ersparnis mit Erdgas
10 Euro im Jahr 2021 50 Euro pro Jahr 63 Euro pro Jahr 13 Euro pro Jahr
20 Euro im Jahr 2022 100 Euro pro Jahr 127 Euro pro Jahr 27 Euro pro Jahr
25 Euro im Jahr 2023 125 Euro pro Jahr 159 Euro pro Jahr 34 Euro pro Jahr
30 Euro im Jahr 2024 150 Euro pro Jahr 190 Euro pro Jahr 40 Euro pro Jahr
35 Euro im Jahr 2025 175 Euro pro Jahr 222 Euro pro Jahr 46,50 Euro pro Jahr
60 Euro im Jahr 2026
(mögliche Preisentwicklung)
300 Euro pro Jahr 380 Euro pro Jahr 80 Euro pro Jahr

 

Die Ergebnisse zeigen: Wer seinen CO2-Ausstoß nicht senkt, muss in Zukunft mehr ausgeben. Denn zu den Mehrkosten beim Heizen kommen auch höhere Ausgaben für Benzin und Diesel beim Autofahren.

Aber: Die Einnahmen der sogenannten CO2-Steuer sollen den Bürgern zugutekommen. So könnten sie in Zukunft zu sinkenden Stromkosten beitragen. Darüber hinaus diskutiert die Politik aktuell über eine Anhebung der Pendlerpauschale und des Wohngeldes. Ob und wie diese Maßnahmen in der Praxis ankommen, ist jedoch ungewiss. Denn wie kürzlich bekannt wurde, hat der Bundesrat wichtige Steuergesetze des Klimaschutzpakets vorerst gestoppt.

Attraktivere Fördermaßnahmen im Klimaschutzprogramm für 2030

Wer sein Haus saniert und weniger Energie verbraucht, senkt auch seinen CO2-Ausstoß. Damit sich die Maßnahmen an Haus und Heizung in Zukunft noch mehr lohnen, plant die Bundesregierung attraktivere Förderprogramme. Zum einen könnten Sanierungsmaßnahmen an Haus oder Heizung in Zukunft steuerlich absetzbar sein. So ist vorgesehen, dass Hausbesitzer bald 20 Prozent ihrer Sanierungskosten über einen Zeitraum von drei Jahren von der Steuer absetzen können.

Darüber hinaus soll es mit der neuen Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) auch einfacher sein, an Zuschüsse oder Darlehen zu kommen. Denn das Förderprogramm fasst die aktuellen Förderangebote von KfW und BAFA zusammen. Geplant ist außerdem eine bessere Mittelausstattung. So sollen Zuschüsse für Sanierungsmaßnahmen an Haus oder Heizung in Zukunft um 10 Prozent steigen. Wer eine alte Ölheizung austauscht, etwa durch eine moderne und effiziente Flüssiggasheizung, der bekommt dem Klimaschutzpaket 2019 zur Folge sogar 40 Prozent seiner Kosten erstattet.

Klimaschutzpaket 2019 sieht Verbot der Ölheizung ab 2026 vor

Während Ölheizungen heute knapp 30 Prozent aller Wohngebäude in Deutschland mit Wärme versorgen, könnte sich das bald ändern. Denn im Klimaschutzpaket für 2030 ist ein Verbot der Ölheizung vorgesehen. Es betrifft den Einbau der Ölheiztechnik in neuen sowie bestehenden Gebäuden und greift immer dann, wenn keine klimafreundlichen Alternativen infrage kommen. Alternativen sind unter anderem Wärmenetze, Gasanschlüsse oder Wärmepumpen.

Unser Tipp: Wer heute mit Öl heizt und ohnehin vor einer Sanierung steht, sollte frühzeitig über einen Energieträgerwechsel nachdenken. Flexibilität und Zukunftssicherheit versprrechen dabei Erdgas und Flüssiggas. Flüssiggas ist vergleichsweise günstig. Er ist nicht gewässerschädigend und lässt sich nahezu überall nutzen. Lohnend ist der Austausch aber auch aus einem anderen Grund: Denn Flüssiggas lässt sich heute komplett regenerativ herstellen. Das sogenannte Bio-LPG emittiert bilanziell kaum CO2 und senkt die zukünftigen Heizkosten. Die hohe Austauschprämie für alte Ölheizungen, die es ab 2020 geben soll, schafft zusätzliche finanzielle Anreize dafür.

Energieberatungen für Wohngebäude sind in Zukunft Pflicht

Bei einer Energieberatung nimmt ein Experte ein Gebäude genau unter die Lupe. Er analysiert den Ist-Zustand und stellt die größten Einsparpotenziale heraus. Hausbesitzer erfahren dabei, wie es um den energetischen Zustand ihrer Gebäude steht und wie sie diesen verbessern können. Mit dem Klimaschutzpaket 2019 könnte die Energieberatung in Zukunft zur Pflicht werden. Zumindest zu bestimmten Anlässen, wie dem Eigentümerwechsel einer Immobilie. Die Kosten dafür sollen sich über die bestehenden Förderprogramme decken lassen.

Klimaschutzpaket 2019: Was ändert sich in anderen Bereichen?

Neben dem Gebäudesektor ist auch die Energiewirtschaft von vielen Maßnahmen betroffen. Hier geht es vor allem darum, die Kohleverstromung zurückzufahren und den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix zu steigern. Aber auch für den Sektor Verkehr hält das Klimaschutzprogramm für 2030 einige Veränderungen bereit. Verankert sind hier unter anderem die folgenden Punkte:

  • Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge
  • höhere Förderung für Elektro- und Hybridfahrzeuge
  • Entwicklung neuer Biokraftstoffe für Fahrzeuge
  • Erhöhung der Attraktivität öffentlicher Verkehrsmittel
  • Ausbau von Radwegen und Digitalisierung der Mobilität
  • Entwicklung und Förderung CO2-armer Lastkraftwagen

Darüber hinaus gibt es im Klimaschutzpaket 2019 auch Maßnahmen, die den CO2-Ausstoß in der Industrie, der Land- und Abfallwirtschaft senken sollen. Im Wesentlichen geht es dabei um attraktive Fördermittel, hohe technische Mindeststandards und die Erforschung CO2-sparender Alternativen.

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