LNG LKW: Mit flüssigem Gas fahren – Kosten sparen

LNG LKW

LNG LKW fahren mit verflüssigtem Erdgas. Sie erreichen ähnlich hohe Reichweiten wie konventionelle Diesel-Trucks, sind im Betrieb aber deutlich günstiger. Neben niedrigen Brennstoffkosten profitieren Spediteure hier vor allem von hohen Fördergeldern, Mautbefreiungen und einer niedrigeren Besteuerung. Da verflüssigtes Erd- oder Biogas auch weniger CO2 emittiert, schonen LNG LKW sogar das Klima. Mehr über Technik, Kosten und finanzielle Einsparungen in den folgenden Abschnitten.

✅ Aktualisiert am 09.09.2020

Die Themen im Überblick

LNG für LKWs, PKWs und andere Einsatzbereiche

LNG (Liquefied Natural Gas oder verflüssigtes Erdgas) ist eine energiereiche Flüssigkeit, die bei der Abkühlung von aufbereitetem Erdgas entsteht. Senken Hersteller Letzteres auf eine Temperatur von – 161 bis – 164 °C, geht es in die flüssige Phase über. Das Volumen schrumpft stark und in einem Liter Flüssigerdgas lässt sich die Energie von rund 600 Litern Erdgas bevorraten. Ein weiterer Vorteil: Anders als konventionelles Erdgas lässt sich Flüssigerdgas mit Schiffen, Bahnen oder Lastkraftwagen transportieren. Es lässt sich in kompakten Tanks speichern und versorgt selbst große Motoren auf weiten Strecken mit viel Energie.

LNG LKWs benötigen Tanks mit sehr guter Isolierung

Um den Kraftstoff speichern zu können, sind Tanks mit spezieller Isolierung erforderlich. Diese mindern den Wärmeeintrag und sorgen dafür, dass sich das verflüssigte Gas nicht allzu stark erwärmt. Denn dadurch geht es in die gasförmige Phase über. Das Gas entweicht aus den Tanks und lässt sich nicht mehr nutzen. Experten sprechen dabei von sogenannten Boil-Off-Verlusten.

Flüssigerdgas ist ein sauberer und sicherer Kraftstoff

Grundsätzlich handelt es sich bei LNG für LKWs oder andere Fahrzeuge um einen sauberen und sicheren Kraftstoff. Denn die Flüssigkeit steht nicht unter Druck. Sie ist weder giftig noch korrosiv, geruchsneutral und nur als Gas entflammbar. Dafür muss sie verdampfen, zu 5 bis 15 Prozent in der Luft vorhanden sein und mit einer Zündquelle in Kontakt kommen.

Im Vergleich zu konventionellen Kraftstoffen wie Diesel punktet LNG für LKWs auch bei der Umweltfreundlichkeit. Denn Flüssigerdgas emittiert fast 100 Prozent weniger Schwefeloxid und Feinstaub, etwa 80 bis 90 Prozent weniger Stickoxid und 10 bis 20 Prozent weniger CO2. Kommt Bio-LPG aus Biomethan zum Einsatz, ist die CO2-Bilanz sogar annähernd klimaneutral. Außerdem sind die Lärmemissionen der LKWs um bis zu 50 Prozent niedriger als bei konventionellen Diesel-Trucks, wie Zukunft Erdgas berichtet.

Was ist der Unterschied zwischen LNG, CNG und LPG?

Während es sich bei LNG um kalt verflüssigtes Erdgas handelt, ist CNG unter hohem Druck verflüssigtes Erdgas (Compressed Natural Gas). Bei LPG (Liquefied Petroleum Gas) handelt es sich hingegen um Flüssiggas. Dieses besteht unter anderem aus den Gasen Butan und Propan, die sich bereits bei geringem Druck in die flüssige Phase überführen lassen.

Eigenschaften: LNG LKWs halten mit Dieselfahrzeugen mit

Moderne Flüssigerdgas LKWs, von denen heute bereits über 2.000 über deutsche Straßen rollen, sind durchaus konkurrenzfähig zu konventionellen Diesel-Trucks. Denn sie haben einen geringen Verbrauch, erreichen Reichweiten von über 1.000 Kilometern und sind mit über 400 PS-starken Motoren ausgestattet. So gibt es die Modelle FH und FM von Volvo mit 400 und 460 PS. Da Flüssigerdgas zu großen Teilen aus Methan besteht, stößt seine Verbrennung abhängig von der Fahrweise und der Strecke (Stadt, Überland, Autobahn) 5 bis 20 Prozent weniger CO2 aus. Bei der Verwendung von BIO-LNG ist der Kraftstoff sogar annähernd klimaneutral. Auch das Einhalten der Euro VI-Abgasnorm ist mit den Flüssiggas LKWs kein Problem. Wichtig für Spediteure und Fahrer: Die Tankzeiten sind mit denen konventioneller Dieselfahrzeuge vergleichbar – für 1.000 Kilometer Fahrleistung müssen sie hier rund 5 Minuten einplanen.

Im Vergleich zu anderen Alternativen ist LNG konkurrenzlos

Flüssigerdgas ist im Transportsektor aktuell die einzige bezahlbare Alternative zu Diesel. Denn für Elektro-Lastkraftwagen müssen Spediteure aktuell 200.000 Euro mehr ausgeben. Fahrzeuge mit Brennstoffzellen sind sogar bis zu 400.000 Euro teurer. Und das bei sehr geringen Reichweiten von 150 (Batterietechnik) bis 400 Kilometern (Brennstoffzellen), wie die Experten vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. wissen.

Viele Markenhersteller haben LNG LKWs bereits im Programm

Wer einen Flüssigerdgas Lastkraftwagen kaufen möchte, hat einige Modelle zur Auswahl. So bieten Markenhersteller wie Scania, Volvo und Iveco entsprechende Fahrzeuge an. Mercedes setzt aktuell auf CNG-Antriebe. Diese arbeiten mit unter Druck stehendem Erdgas, das im Vergleich zu LNG ein größeres Volumen aufweist. Für die gleiche Reichweite sind daher größere Tanks erforderlich.

Übrigens: Mit über 35 Fahrzeugen hat das Logistikunternehmen Havi, das unter anderem für McDonald´s fährt, eine der größten LNG LKW Flotten in Deutschland. Zusammen mit Scania plant das Unternehmen, seinen Fahrzeugbestand bis 2021 weiter auf alternative Antriebe umzustellen. Verflüssigtes Erdgas spielt dabei die größte Rolle.

LNG Tankstellennetz wächst stetig weiter

Verteilt im gesamten Bundesgebiet gibt es heute bereits über 25 Flüssigerdgas Tankstellen. 44 weitere befinden sich in Planung und werden in der nahen Zukunft eröffnet. Bereits 2025 sollen dann sogar 200 Tankstellen im gesamten Land vorhanden sein. So plant es die LNG-Taskforce, die sich unter anderem aus Fahrzeug- und Kraftstoffanbietern zusammensetzt. Die von der deutschen Energieagentur (dena) moderierte Initiative verfolgt damit die Ziele der Bundesregierung, Flüssigerdgas im Schwerlastverkehr zu stärken.

Alternative: Eigene LNG Tankstelle kaufen

Für Logistikunternehmen mit großem eigenem Fuhrpark kann es sich darüber hinaus lohnen, selbst eine Flüssigerdgas Tankstelle zu kaufen. Die Anlagen stehen dann auf dem eigenen Grundstück und werden von Brennstoffhändlern regelmäßig mit dem tiefkalt verflüssigten Erdgas beliefert. Steht die Tankstelle auch der Öffentlichkeit zur Verfügung, lassen sich sogar zusätzliche Gewinne einfahren. Mehr über Arten, Kosten und Voraussetzungen erklären wir im Beitrag LNG Tankstelle kaufen.

Anschaffungskosten der Flüssigerdgas Fahrzeuge sind höher

Geht es um die Kosten, müssen Transportunternehmen bei Gasfahrzeugen rund 40.000 Euro mehr einplanen. Die höheren Preise liegen vor allem an den doppelwandigen, vakuumisolierten Edelstahltanks, die Anbieter aktuell nur in geringen Stückzahlen produzieren. Experten gehen daher davon aus, dass die Kosten der LNG LKWs mit steigenden Absatzzahlen weiter sinken.

Förderung gleicht die höheren Kosten mehr als aus

Trotz höherer Kosten lohnt es sich für Spediteure, LNG LKWs anzuschaffen. Ein Grund dafür ist die attraktive staatliche Förderung für die Fahrzeuge. So bekommen Käufer einen pauschalen Zuschuss in Höhe von 12.000 Euro pro Fahrzeug. Hinzu kommt die Tatsache, dass die LKW bis mindestens Dezember 2023 mautfrei fahren. Die Befreiung spart bis zu 18,7 Cent pro Kilometer ein. Bei einer jährlichen Fahrleistung von 150.000 Kilometern ergibt das eine Einsparung von rund 28.000 Euro. Zusammen mit dem initialen Zuschuss haben Spediteure die Mehrkosten dabei allein nach einem Jahr wieder drin.

Aber auch ohne Förderung sind Flüssigerdgas LKWs sparsamer im Verbrauch. Denn die Brennstoffe sind grundsätzlich günstiger. Hinzu kommt die Tatsache, dass auf Flüssigerdgas keine Mineralölsteuer anfällt und Dieselpreise durch die CO2-Steuer ab 2021 weiter steigen.

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